Infotag Feuerwehrgeschichte

Wer sich für die Feuerwehrgeschichte des Landes interessiert, ist zu diesen Tagesveranstaltungen des Fachgebiets Brandschutzgeschichte herzlich eingeladen. Die Infotage bieten eine hervorragende Plattform um sich über feuerwehrgeschichtliche Themen zu informieren und Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen.

Der nächste Info-Tag Feuerwehrgeschichte findet am 17.04.2027 im Stuttgarter Feuerwehrmuseum statt. Weitere Informationen folgen.

9. Info Tag Feuerwehrgeschichte in Durlach

Auch 2026 veranstaltete das Fachgebiet Brandschutzgeschichte des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg ein Symposium der besonderen Art. Der 9. Info‑Tag Feuerwehrgeschichte führte die Teilnehmer am 21. März an einen historischen Ort von besonderer Bedeutung, nach Karlsruhe‑Durlach – der Wiege des heutigen deutschen Feuerwehrwesens. In der Karlsburg erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über die Anfänge des Feuerwehrwesens.

Von Seiten der Ausrichter eröffneten Frank Wörner und Oliver Kubitza die Veranstaltung und begrüßten herzlich alle Anwesenden. Anschließend richtete der Fachgebietsleiter Thomas Westhauser das Wort an die rund 50 interessierten Teilnehmer und schloss sich den Begrüßungsworten an. Er zeigte sich erfreut, den Info‑Tag gerade in Durlach durchführen zu können und dankte seinen Mitstreitern im Fachgebiet für ihr Engagement und die Vorbereitung der Veranstaltung.

Zu den Anfängen des Feuerlöschwesens

In seinem Vortrag „Hengst gründet ein Pompier‑Corps“ nahm Oliver Kubitza die Zuhörer mit auf eine spannende Zeitreise in die Anfänge des organisierten Feuerlöschwesens. Ausgangspunkt seiner Ausführungen waren die Feuerlöschanstalten der vorherigen Jahrhunderte, die nur lose organisiert und stark von den Strukturen der Handwerkszünfte geprägt waren. Mit Fortschreiten der Technik und Veränderungen in der Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch das Feuerlöschwesen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich vom deutschen Südwesten ausgehend das Verständnis, dass Brandbekämpfung eine strukturierte Organisation, klare Zuständigkeiten und technische Innovationen benötigte.

Der zentrale Protagonist war Christian Hengst aus Durlach. Kubitza schilderte eindrucksvoll, wie sich Hengst vom Zimmermannsmeister, über den Gewerbeschullehrer, hin zu der prägenden Persönlichkeit des deutschen Feuerlöschwesens entwickelte, der schließlich ab 1846 als Kommandant der ersten Feuerwehr, die damals noch „Pompier-Corps“ hieß, hervortrat. Sein handwerklicher Hintergrund, sein Organisationstalent und sein Wille, anderen etwas beibringen zu wollen, machten ihn zu der Schlüsselfigur beim Aufbau eines durchorganisierten Pompier‑Corps.

Eine besondere Bedeutung kam dabei der Verbindung zu Carl Metz aus Heidelberg zu. Mit der für Durlach angeschafften Feuerspritze aus dem Hause Metz hielt modernste Feuerlöschtechnik Einzug in die Stadt. Diese technisch fortschrittliche Neuanschaffung gepaart mit dem Aufruf von Carl Metz, einen Löschverein zu gründen, waren der Auslöser für die umwälzende organisatorische Entwicklung im deutschen Feuerlöschwesen. Neue Technik kann nur mit gut ausgebildeten und klar geführten Mannschaften ihre volle Wirkung entfalten.

So gründete Hengst einen Verein, erstellte verbindliche Statuten und erarbeitete für den Löschangriff ein umfassendes und detailliertes Exerzier‑Reglement. Diese grundlegenden Schritte zum Aufbau eines leistungsfähigen Pompier‑Corps erfolgten im Winterhalbjahr 1846/47. Sie markieren den wichtigen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Feuerwehrwesens. Erstmals wurden Ausbildung, Übung und umfassendes Arbeiten der Mannschaft auf eine feste organisatorische Grundlage gestellt.

Theaterbrand in Karlsruhe

Die für den 4. März 1847 angesetzte Generalprobe sollte eigentlich den offiziellen Höhepunkt dieser Aufbauphase darstellen. Doch nur wenige Tage zuvor, am 28. Februar 1847, kam es zum verheerenden Theaterbrand in Karlsruhe. Dieses Großereignis wurde zur unfreiwilligen Feuertaufe für das neu gegründete Pompier‑Corps.

Kubitza schilderte die Brandentwicklung und den Einsatzablauf. Anschaulich machte er deutlich, wie neuartig und doch wirksam die noch junge Organisation in dieser Ausnahmesituation war. Der Theaterbrand zeigte eindrucksvoll, dass ein solches gut ausgebildetes, diszipliniertes und technisch modern ausgestattetes Corps für die Zukunft unverzichtbar war. Der Einsatz bestätigte die Richtigkeit von Hengsts Ansatz und unterstrich die Bedeutung organisierter Feuerwehren für den Schutz von Menschenleben und Sachwerten. Damit wurde Durlach zu einem wichtigen Schauplatz in der Entwicklung des modernen Feuerwehrwesens. Von hier aus verbreitete sich der Gedanke einer organisierten Feuerwehr auf ehrenamtlicher Basis weiter und daraufhin gründeten sich in vielen Städten Feuerwehren nach Durlacher Vorbild.

Spannungsfeld Berufsfeuerwehr – Freiwillige Feuerwehr

Im weiteren Verlauf des Info‑Tages widmete sich Frank Wörner mit seinem Vortrag „Karlsruhe 1926 – Spannungsfeld zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr“ einem Thema, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Vor 100 Jahren, im Jahr 1926, wurde in Karlsruhe zusätzlich zur altbewährten Freiwilligen Feuerwehr eine Berufsfeuerwehr aufgestellt. Wörner zeigte die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Organisationsformen auf. Im Fokus standen insbesondere Ausbildung und Fachlichkeit. Während die Berufsfeuerwehr über eine strukturierte, sehr kompetente Ausbildung verfügte, war die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr nur so ausgebildet, was ehrenamtlich in einer aufstrebenden Großstadt möglich war, aber dennoch durch hohes persönliches Engagement und fachliche Kompetenz geprägt. Besonders im gemeinsamen Einsatzbetrieb wurden Unterschiede und Schwächen sichtbar, die zum Beispiel der Großbrand im Kaufhaus Knopf 1928 zu Tage brachte.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der erforderlichen Anpassung der Führungs‑ und Organisationsstrukturen. Wörner zeigte auf, dass sich die Freiwillige Feuerwehr mit ihren gewachsenen Strukturen nicht durch die immer dominanter werdende Berufsfeuerwehr verdrängen lassen wollte und auch nicht zu Organisationsänderungen bereit war. 1928 steigerten sich die scheinbar unüberwindbaren Spannungen zwischen der Führung der Freiwilligen Feuerwehr und der Leitung der neuen Berufsfeuerwehr so sehr, dass sich als Konsequenz daraus, die Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe nach 81 Jahren selbstlosen und erfolgreichen Dienstes ersatzlos auflöste.

Persönliche Einblicke in die Feuerwache

Im Anschluss gab Dieter Farrenkopf, der als Sohn des Karlsruher Branddirektors auf der Feuerwache in der Ritterstraße aufgewachsen ist, sehr persönliche Einblicke in seine Kindheit und Jugend auf der Wache. Mehrere Familien, besonders die der Führungskräfte, wohnten damals auf der Wache, die nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensmittelpunkt war.

Farrenkopf schilderte eindrucksvoll, wie nach den Einsätzen vor allem die Kameradschaft eine zentrale Rolle spielte. Neben dem normalen Wachdienst prägten die Werkstätten das Wachleben, in denen Maler- und Schmiedearbeiten, Holzwerkstücke und sogar Kinderspielzeug entstanden. Farrenkopf bereicherte seinen Vortrag durch mitgebrachte Gebrauchsgegenstände und Erinnerungsstücke, die seiner Zeit dort hergestellt wurden, wie Aschenbecher mit Zierstandrohr, Korkenzieher in Standrohrform, Flaschenausgießer in Strahlrohrform, Brieföffner mit Strahlrohrgriff, Kinderspielzeug oder eine Miniatur der Karlsruher Pyramide. Mit dem prägnanten Satz „Bei der Feuerwehr darf man das Menschliche nicht vergessen!“ fasste Farrenkopf die Bedeutung dieser gelebten Gemeinschaft eindrucksvoll zusammen.

Besuch des Pfinzgaumuseums und Stadtrundgang

Nach dem gemeinsamen Mittagessen stand der Besichtigungsteil des Info-Tags auf dem Programm. Zunächst besuchten die Teilnehmer das Pfinzgaumuseum in der Karlsburg, das unter anderem noch Relikte aus der Anfangszeit der Durlacher Feuerwehr beherbergt, wie die Pompierspritze, die 1847 beim Theaterbrand eingesetzt war und einen prunkvollen Kommandantenhelm, der Christian Hengst gehört haben könnte. Anschließend führte ein Stadtrundgang zum Geburtshaus von Christian Hengst und zum Hengstbrunnen, der heute noch an den Gründer der ersten deutschen Feuerwehr erinnert. Damit wurde das zuvor Gehörte direkt mit historischen Orten verknüpft und die Bedeutung Durlachs für die Entwicklung des Feuerwehrwesens anschaulich erlebbar gemacht.

Auch Vizepräsident Armin Klingenbeck und der Vorsitzende des Karlsruher Stadtfeuerwehrverbands Ulrich Volz schauten kurz bei den Historikern rein und richteten Grußworte an die Teilnehmer. Beide betonten die besondere Bedeutung der Feuerwehrgeschichte für das heutige Selbstverständnis der Feuerwehren. Dabei machten sie deutlich, dass es nicht nur um Jahreszahlen und Technik gehe, sondern um die Menschen dahinter. Treffend wurde es zusammengefasst: „Geschichte lebt von Geschichten!“

Neben der Kurzvorstellung der Feuerwehr Durlach und des nächsten Tagungsortes referierte Oliver Kubitza über den geplanten Neubau einer badischen Landesfeuerwehrschule, der in Karlsruhe-Rintheim entstehen sollte, jedoch wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs hinfällig wurde.

Zum Abschluss des 9. Info‑Tages richteten Oliver Kubitza, Frank Wörner und Thomas Westhauser ihren gemeinsamen Dank an alle Referenten und Helfer, die dazu beigetragen hatten, dass diese Veranstaltung für die Geschichtsinteressierten wieder ein unterhaltsames und gelungenes Event wurde. Ein besonderer Dank galt der Freiwilligen Feuerwehr Durlach und dem Stadtfeuerwehrverband Karlsruhe, die es möglich machten, dass das Symposium im Festsaal der geschichtsträchtigen Karlsburg stattfand, der der Veranstaltung einen überaus würdigen Rahmen verlieh. Der Dank galt auch dem Abteilungskommandanten Thomas Nagel und seinem Team für die großartige Organisation, die Verpflegung und die Unterstützung bei der Durchführung des Symposiums.

Der nächste Info‑Tag Feuerwehrgeschichte wurde für den 17. April 2027 in Stuttgart angekündigt. Mit diesen Ausblicken endete eine Veranstaltung, die Geschichte, fachlichen Austausch und Kameradschaft in besonderer Weise miteinander verband.

Dieser Text wurde in der Juliausgabe 2026 der Brandhilfe veröffentlicht / Text: Theres Tietzsch

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