Weihnachts- und Neujahrsgrüße des Landesfeuerwehrverbandes

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Liebe Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden,
liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2020 begann verheißungsvoll: die Vorfreude auf die Weltleitmesse Interschutz zusammen mit dem 29. Deutschen Feuerwehrtag war auch in Baden-Württemberg deutlich spürbar. Viele Feuerwehrangehörige aus dem Land hatten den Besuch der beiden Großereignisse in Hannover bereits im Kalender vermerkt und entsprechende Reisevorbereitungen getroffen. Im Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg freuten wir uns auf zahlreiche Highlights wie beispielsweise den Feuerwehr-Duathlon, unsere traditionellen Veranstaltungen der Feuerwehrhistorik, unseren Floriansgottesdienst oder auch das Bundeswertungsspielen der Feuerwehrmusik in Freiburg.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche fieberten dem Landeszeltlager der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg entgegen. Im Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg hatte die derzeitige Legislaturperiode unseres Vorstandes gerade erst begonnen und die Arbeit in den Fachgebieten sollte intensiviert und gestärkt werden. Mit der Veröffentlichung beispielsweise unseres Hinweispapiers „Aufwandsentschädigungen für Funktionsträger bei den Kreis- und Stadtfeuerwehrverbänden“ hatten wir begleitend zu unserem Satzungsmuster zur Feuerwehr-Entschädigungssatzung einen weiteren wichtigen Baustein zur Förderung des Ehrenamtes auf den Weg gebracht. Unsere Vorfreude galt natürlich auch dem neuen Team an der Spitze unseres beliebten und gut besuchten Feuerwehrhotels Sankt Florian am Titisee. Denn: Das bisherige Betreiber-Ehepaar Bengel hatte uns angekündigt, dass es sich nach über 23 Jahren sehr erfolgreicher Arbeit für das Feuerwehrhotel Sankt Florian im Mai 2020 in den Ruhestand verabschieden wolle. Diese Zäsur im Feuerwehrhotel wollten wir gemeinsam gestalten und mit Gästen und Mitarbeiter-Team den Stabwechsel gemeinsam vollziehen. Doch dann kam alles ganz anders.

Ein Virus verändert die (Feuerwehr-) Welt
Am 27. Januar wird die erste erfasste Erkrankung in Deutschland aus dem bayerischen Landkreis Starnberg gemeldet. Seit dem 11. Februar nennt die WHO die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 und das Virus erhält den Namen Sars-CoV-2. Am 11. März schließlich erklärt die WHO den Pandemiefall. Das Land Baden-Württemberg erlässt am 16. März eine umfassende Corona-Verordnung.

Mit mehreren Neufassungen, Änderungsverordnungen sowie weiteren Verordnungen gestaltete die Landesregierung den Weg durch die Pandemie. Ab 17. März mussten durch Maßgaben in der Corona-Verordnung Bildungseinrichtungen, Kultureinrichtungen, Kinos, Schwimmbäder, Sportstätten, Bibliotheken, Gastwirtschaften und Hotels sowie viele andere Einrichtungen den Betrieb einstellen. Das öffentliche Leben kam praktisch zum Erliegen. Am 19. März verabschiedete der baden-württembergische Landtag ein Gesetz, das die Coronavirus-Pandemie zu einer Naturkatastrophe erklärte. Abstandregelungen und Alltagsmasken bestimmen auch nach vielen Lockerungen bis heute unseren Alltag. So auch im Feuerwehrdienst.

Feuerwehr-Übungsdienste und Veranstaltungen gecancelt – um die Einsatzfähigkeit nicht zu gefährden
Vorübergehende Einstellung des gesamten Übungs- und Ausbildungsbetriebes, Absage von vielen Veranstaltungen, Versammlungen, Seminaren und Feuerwehrfesten, Anpassung von Alarm- und Ausrückeordnungen, Reduzierung der Fahrzeugbesatzungen bei Einsätzen und vieles mehr prägen das Feuerwehrleben seit Anfang März.

Viele Herausforderungen waren dabei von den rund 120.000 Feuerwehr-Einsatzkräften zu meistern, die sich in Baden-Württemberg zu 98 Prozent rein ehrenamtlich in unseren 1.100 Feuerwehren engagieren. Immer im Blick und stets die Messlatte für alle Maßnahmen war die Aufrechterhaltung der ständigen Einsatzbereitschaft unserer Wehren. Und man kann konstatieren: die baden-württembergischen Feuerwehren können auch diese enorme Herausforderung mit Bravour meistern! Die Feuerwehren sind auch in dieser Zeit einer der verlässlichen Pfeiler in der Sicherheitsarchitektur unseres Landes.

Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg unterstützt die Feuerwehren in der Not
Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg hat verschiedene Möglichkeiten initiiert und genutzt, um den Feuerwehren und den Mitgliedsverbänden in dieser Zeit bestmöglich zur Seite zu stehen. Vielfältige und umfangreiche Informationen und Kooperationsangebote wurden immer wieder über die verschiedenen Informations- und Kommunikationskanäle des Landesfeuerwehrverbandes bereitgestellt. Unsere Fachzeitschriften Brandhilfe und Hydrant, die Verbandshomepages, die regelmäßigen Newsletter, Infodienste an unsere Mitglieder sowie unsere Social-Media-Auftritte befassten sich schwerpunktmäßig immer wieder mit den verschiedenen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Feuerwehren. Großes Gehör fanden insbesondere die zahlreichen praktischen Hilfestellungen, die unser Landesfeuerwehrarzt den Feuerwehren mit an die Hand gegeben hat. Dieses breite Informations- und Kommunikationsportfolio hat sich als bestens geeignet erwiesen, um die zahlreichen Informationen und Hilfestellungen des Verbandes schnell und umfassend an die Basis der baden-württembergischen Feuerwehren transportieren zu können.

Leider konnte keine der zahlreichen geplanten Veranstaltungen des Landesfeuerwehrverbandes in diesem Jahr stattfinden. Die Geschäftsstelle des Landesfeuerwehrverbandes ist seit Ausbruch der Pandemie mit den Ausrichtern und Teilnehmern in engem Austausch über neue Termine. Schon heute hoffen wir auf zahlreiche interessante und vor allem wieder persönliche Begegnungen mit den Feuerwehrangehörigen im Jahr 2021 – die Hoffnung, meine sehr geehrten Damen und Herren, stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg hat ihr umfangreiches und vielseitiges Seminarangebot der veränderten Lage angepasst. Sie hat in kürzester Zeit auf Web-Seminare umgestellt und bietet seit Ende März 2020 sehr erfolgreich den Jugendfeuerwehr-Betreuerinnen und -Betreuern Online-Weiterbildungsmodule. Durch eine Ideenbörse für die Jugendfeuerwehren des Landes wurden bzw. werden Alternativen zum üblichen Präsenzdienst für die über 33.000 Kinder und Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr aufgezeigt mit dem Ziel, ein sinnvolles und attraktives Programm bieten zu können. Dies geschah und geschieht auch immer aus dem Blickwinkel und mit der Sorge, den Kontakt nicht ganz abbrechen zu lassen und die Kinder und Jugendlichen auch über die Coronavirus-Zeit hinaus in den Jugendfeuerwehren zu halten und an diese Nachwuchsorganisation der Feuerwehren zu binden. Die wichtige Nachwuchsarbeit in unseren Jugendfeuerwehren konnte so optimal und vielseitig an die aktuelle Situation ohne echten Jugendfeuerwehrdienst angepasst werden. Viele Angebote sind dabei neu entstanden und werden uns auch in Zukunft als sinnvolle und hilfreiche Ergänzung der traditionellen Jugendarbeit erhalten bleiben.

Auch das Feuerwehrhotel Sankt Florian war von den sogenannten Betretungsverboten der baden-württembergischen Corona-Verordnung betroffen. Am 18. März mussten wir unsere Gäste bitten, den Aufenthalt zu beenden und vorzeitig abzureisen. Zudem sind alle Gäste, die in das Feuerwehrhotel hätten anreisen wollen, über die vorübergehende Schließung informiert worden. Das Feuerwehrhotel musste seinen Betrieb bis zum 28. Mai einstellen, was natürlich mit erheblichen Einschnitten für das Mitarbeiterteam sowie mit massiven Verlusten für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb einhergegangen ist. Ein umfangreiches Hygienekonzept und Umstellungen im Betriebsablauf ermöglichten die Wiedereröffnung unseres Feuerwehrhotels Sankt Florian. Leider mussten wir aufgrund der zweiten Pandemiewelle am 02. November erneut den Hotel- und Gastronomiebetrieb vorübergehend einstellen.

Aus zahlreichen positiven und lobenden Rückmeldungen wissen wir, dass sich die Gäste auch unter erschwerten Bedingungen im Feuerwehrhotel stets sehr wohl gefühlt haben und erfahren viel Anerkennung für die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen. Wir sind auch sehr dankbar, dass unsere Gäste uns die Treue halten und nach wie vor gerne ihren Urlaub oder ein verlängertes Wochenende in der herrlichen Umgebung des Hochschwarzwaldes und am Titisee verbringen. Allerdings haben uns auch über die Sommermonate hinweg die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen nur eine Auslastung von circa 60 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erlaubt – bei aufgrund des höheren Personalansatzes mindestens gleichbleibenden Kosten.

Nach Corona ist nicht vor Corona: Wie gestalten wir Feuerwehren den Umgang mit der neuen Realität?
Spätestens Ende April/Anfang Mai 2020 ist den meisten Beteiligten klargeworden, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie uns alle noch längere Zeit beschäftigen werden. Wir erleben in diesen Tagen eine zweite Infektionswelle und werden uns vermutlich auch im neuen Jahr mit dem Sars-CoV-2-Erreger weiterhin auseinandersetzen müssen. Allerdings hat sich ebenso gezeigt, wie gut und schnell sich das Feuerwehrwesen im Land an die neuen Rahmenbedingungen anpassen konnte. Online-Meetings beispielsweise, wie sie einige bereits aus dem beruflichen Alltag kannten, haben inzwischen auch Einzug in den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst gehalten. Online-Seminare oder der Informationsaustausch über Social Media: schnell wurden diese neuen Möglichkeiten zu einem festen Bestandteil, um neben der Weitergabe von wichtigen Informationen auch die kameradschaftliche Komponente des Feuerwehrdienstes abzudecken. Das physische Miteinander wird diese Möglichkeiten aber nie ersetzen können. Dennoch ist es besser als nichts und eine „Erste Hilfe“ gegen die Auswirkungen der sozialen Distanzierung auf kameradschaftlichen Strukturen.

Im Wesentlichen können wir aktuell eine Digitalisierungs-Initiative in unserer Gesellschaft und quer über alle Branchen hinweg erleben. Können oder dürfen sich die Feuerwehren dieser Entwicklung verschließen? Ob Aus- und Fortbildung, Jugendarbeit oder Führungsaufgaben: die Digitalisierung kann ihren Platz in unserer Feuerwehrwelt finden und einen Nutzen für die Feuerwehren und das Ehrenamt stiften. Feuerwehrarbeit ist im Wesentlichen Handwerksarbeit. Im Bereich der Ausbildung vermitteln viele engagierte Ausbilder die notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse, damit im späteren Feuerwehrdienst alle Handgriffe richtig und sicher angewandt werden können. Hier können digitale Angebote das Erlernen der korrekten Handgriffe nicht ersetzen. Aber die Vermittlung theoretischer Grundlagen als solide Basis für die praktische Ausbildung kann durchaus digital erfolgen – wie es zum Beispiel in den Fahrschulen durch entsprechende Apps inzwischen zum Standard geworden ist. Die theoretischen Lehrgangsinhalte der Feuerwehr-Grundausbildung werden in diesem Jahr über Online-Angebote durch die Landesfeuerwehrschule übernommen. Ein richtiger Schritt zur Entlastung der ehrenamtlichen Ausbilder und zur Qualitätssicherung in der Ausbildung durch einheitlich vermitteltes Grundlagenwissen.

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam überlegen und diskutieren, welche weitergehenden organisatorischen, konzeptionellen und inhaltlichen Konsequenzen wir aus der Pandemie ziehen können. Lassen Sie uns die Coronavirus-Pandemie zum Anlass nehmen, und ganz im Sinne von Goethe das baden-württembergische Feuerwehrwesen gemeinsam zukunftsweisend gestalten.

Bitte passen Sie auf sich auf – und vor allen Dingen bitte bleiben Sie gesund. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie zu Weihnachten besinnliche Stunden sowie für das neue Jahr Gelassenheit, Glück und Zufriedenheit.

Ihr Dr. Frank Knödler
Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg e.V.